Das Grundprinzip unserer Landkinder ist ganz einfach, gemeinsam halten wir unsC52A64EA10
mehrere Stunden täglich an der frischen Luft auf. Die Landkinder finden ihren Platz in
der Natur.
Natur- und Waldkindergärten sind in den letzten Jahren zunehmend in den Mittelpunkt
des Interesses gerückt. Ein Grund liegt vielleicht darin, dass es Kindern in der heutigen
Zeit nicht mehr so ohne weiteres möglich ist, ihre Zeit in der freien Natur zu verbringen.
Der Lebensraum von Kindern wird durch eine technisierte und motorisierte Gesellschaft
immer mehr eingeengt und verinselt. So verlagert sich das Spiel der Kinder von draußen
nach drinnen.
Ein weiterer Grund liegt in der Ängstlichkeit der Eltern zu sehen. Viele Eltern finden es
gefährlich ihre Kinder im Wald spielen zu lassen. Studien zeigen, je jünger Eltern sind,
desto ängstlicher sind sie.
Kinder wachsen heute in einer rasch verändernden Umwelt auf. Bewegungsräume, in
denen sie sich selbständig und eigenaktiv bewegen können, in denen sie spielen und
toben können werden immer seltener.
Kinder sind heute reich mit materiellen Dingen ausgestattet, auf der anderen Seite fehlt
ihnen aber die Fähigkeit sich ausprobieren zu können, sich selber zu spüren, sich zu
verausgaben, eigene Erfahrungen, Eindrücke und Wahrnehmungen zu sammeln und zu
verarbeiten.
Aufgrund der Bewegungsarmut haben 30-60 % Kinder Haltungsschäden und
Gewichtsprobleme, 14 % aller Kinder leiden an Übergewicht. 40 % der Kinder klagen
gelegentlich über Rückenschmerzen. Auch Kopfschmerzen sind eine Folge von
Haltungsschäden. (Quelle:www.kinderschutzbund-nrw.deBewegungsmangel)!
Im Natur- oder Waldkindergarten haben die Kinder die Möglichkeit ihren kindlichen
Bedürfnissen nachzukommen und sich gerade dadurch zu verantwortungsbewussten,
eigenverantwortlichen und gemeinschaftsfähigen Mitmenschen zu entwickeln.
Wände und Türen gibt es nicht, so können sich die Kinder voll und ganz auf die Natur
einlassen und lernen spielerisch, die Natur und andere Lebewesen zu achten. In der
Natur begrenzen weder Zäune noch Tore die Spielräume der Kinder. Die Grenzen werden
durch klare Regeln gesetzt. Eigenverantwortung und Hilfsbereitschaft der Kinder, sowie
Sensibilisierung für vorhandene, natürliche Lebensräume, in denen wir Gast sind,
erlangen eine hohe Bedeutung im Miteinander und geben dem Kinde innere Sicherheit.
Die Kinder erhalten die Chance sich mit dem Naturkreislauf zu verbinden. In einem nicht
reizüberfluteten Außenbereich können Kräfte besser wahrgenommen werden. Diese
starken sinnlichen Wahrnehmungen sorgen für ein besonderes, intensives verankern des
Erlebten und Erfahrenen im Langzeitgedächtnis.
Je früher die Faszination für die Natur entdeckt wird, umso besser. Eine wichtige
Aufgabe besteht darin, Kindern die Möglichkeit für phantasievolle, ausgedehnte und
faszinierende Naturbegegnungen zu ermöglichen. Kinder sehen und entdecken die Natur
am besten, wenn man sie „frei lässt“, ihnen Raum und vor allem Zeit gibt für ihre
Entdeckungen.
Die Kinder erfahren Erlebnisräume, in denen sie spielerisch mit der Natur in Kontakt
treten, natürliche Materialien ausprobieren und auf Abenteuer- und Entdeckungsreise
gehen können. Im Umgang mit der Natur und den anderen „Mitentdeckern“ könnenA4B78966FE
weitere Fähigkeiten wie Kreativität und Verantwortungsgefühl entwickelt werden,
welche für ihre selbstbewusste Handlungsfähigkeit von Bedeutung ist.
Naturbegegnungen fördern die gesunde Entwicklung des Kindes. In der Natur finden
Kinder viele wertvolle Entdeckungs- und Erfahrungsräume, die mit ihren vielfältigen
Reizen die Sinne, die Körperwahrnehmung und den Verstand anregen. In diesem Sinne ist
die Natur Lehrmeisterin für eindrucksvolles Entdecken und Wahrnehmen des Lebens.
Aber oftmals sind es die Erwachsenen, die diese Wahrnehmungen „verhindern“. Da
bleibt das Kind auf dem Spaziergang stehen, um eine Ameise zu sehen, die eine schwere
Last zum Ameisenhaufen schleppt. Ungeduldig wird das Kind zum Weitergehen
aufgefordert „ Los komm schon, was siehst du denn schon wieder!“ Das Ziel des
Erwachsenen vor Augen zum Auto weiter zu gehen, wie soll das Kind sehen lernen,
beobachten, wahrnehmen, sich in die Natur vertiefen können?
Genau hier sehen wir das pädagogische Ziel unserer Naturgruppe, Zeit haben für
spontane Situationen, Zeit haben für Beobachten und Lernen, Wissenswertes mit den
Kindern erarbeiten. Das aktive Tun, das gerade Erlebte, der situationsorientierte Ansatz
gibt uns den pädagogischen Grundgedanken. Die Kinder bekommen die Gelegenheit,
direkte Erfahrungen zu machen, Erfahrungen aus erster Hand, die die gesamten Sinne
ansprechen und wichtige Wahrnehmungsprozesse in Gang setzen.
Wenn Kinder in jungen Jahren die Natur kennen und schätzen lernen, haben sie als
Erwachsene viel eher eine Motivation zu umweltgerechtem verhalten.
„Nur das was wir kennengelernt haben, liebt und schätzt man!“
Die Natur ist ein spielzeugfreier Raum den es zu erobern gilt. Gegenstände und Plätze
müssen erst zu dem gemacht werden, was sie im Spiel sein sollen. Die Kinder müssen,
sowohl für sich selbst, als auch im Miteinander mit anderen Kindern kooperativ klären,
sich austauschen, benennen und festlegen.
Dem ganzen entdecken, erobern, ausprobieren und bewegen steht die Ruhe, die
Entspannung gegenüber. Im Gras liegend, unter einem Baum, unter freiem Himmel
haben die Kinder die Möglichkeit sich zurückzuziehen. Sich selbst und das umher zu
hören und zu lauschen. Ruhe und Sille für sich zu erfahren.
Stilleübungen, gezieltes Hören und Lauschen in der Natur oder auch Körpermassagen mit
Naturmaterialien, auf dem warmen Wald- oder Wiesenboden geben viele Möglichkeiten
zur Entspannung.